Suchen mit zusätzlichen OptionenHyperlinks zu anderen WebsitesWebimpressumSitemapDie URL dieser Seite per Email versenden

 

Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau
Anästhesie
Dr. med. Stephan-Matthias Reyle-Hahn
Stadtrandstraße 555-561
13589 Berlin
Tel (030) 3702-1822
Fax (030) 3702-1836
Email anaesthesie@waldkrankenhaus.com
Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau : Medizinische Abteilungen & Zentren :
Anästhesie

Lehre

Die Xenonanästhesie

Die griechische Übersetzung für Xenon lautet der Fremde. Das Edelgas wurde 1898 von Ramsay und Travers als Restsubstanz bei der Zerlegung von Luft entdeckt und bildet zusammen mit Helium, Neon, Argon, Krypton und Radon die chemische Gruppe der "Innerten Gase". Die gesamte Gruppe wurde 1962 in "Edelgase" umbenannt, nachdem einige mögliche chemische Verbindungen von Fluor und auch von Xenon gefunden wurden. Xenon selbst ist das schwerste stabile Gas dieser Gruppe und das einzige mit anästhetischen Eigenschaften unter normobaren Bedingungen.

Mit Ausnahme des Edelgases Radon ist Xenon das seltenste Edelgas. Das Vorkommen ist mit 0,0000087% in der Atmosphäre extrem gering, so dass die Gesamtmenge an vorhandenem Xenon auf rund 400 Millionen Tonnen geschätzt wird. Zum besseren Verständnis kann man sich vorstellen, dass ein Raum mit 25 m² Grundfläche und vier Metern Höhe (100 m³) durchschnittlich 8 ml Xenon enthält. Ausgehend von der Hypothese, dass die relative Verteilung aller Elemente des Periodensystems zum Zeitpunkt der Erdentstehung gleich gewesen ist, enthält die Erdatmosphäre somit 2000 mal weniger Xenon als erwartet. Dies ist der Grund für einige derzeitige Forschungsvorhaben, nach bislang unentdeckten Xenonvorkommen weltweit zu suchen.

Das Edelgas wird derzeit in der Lampenindustrie (Autolampen, Blitzlicht etc.), Elektronik- und Laserindustrie, im Rahmen von Raumfahrtprojekten, in Röntgenröhren und in der Medizin verwendet. So zählt der Gebrauch von Xenon zur Bestimmung von Flussraten in unterschiedlichen Geweben oder zur Darstellung der intrapulmonalen Gasverteilung seit Jahrzehnten zum Standard. Neuerdings findet es auch im Bereich der Kernspintomographie Anwendung.

Die anästhestischen Eigenschaften von Xenon im Menschen wurden vor annähernd 50 Jahren von Cullen et al. erstmals beschrieben. Die Idee hierzu lieferten jedoch Berichte von Tauchern während Tieftauchversuchen, die ab einer gewissen Tauchtiefe über das Auftreten von Müdigkeit und ähnlichen Effekten bei mit Xenon versetzten Gasgemischen berichteten. Lawrence et al. führten aufgrund dieser Beschreibungen einige Jahre später die ersten Untersuchungen an Mäusen durch und zeigten die anästhetische Eigenschaft des Gases. Nachdem es danach mehrere Jahrzehnte still um die Substanz war, wurde 1990 die erste kontrollierte Patientenstudie von Lachmann et al. durchgeführt. Seitdem stößt Xenon auf immer breiteres Interesse und wird im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen von Arbeitsgruppen in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Österreich, Schweden, Russland und Japan erfolgreich angewandt.

Die Anwendung von Xenon in der Anästhesie zeichnet sich durch eine hohe Kreislaufstabilität des Patienten aus und hat, bedingt durch den geringsten Blutgas/Gas-Verteilungskoeffizienten aller Inhalationsanästhetika, die schnellste Einschlaf- und Aufwachcharakteristik.

Da es als Edelgas im Gegensatz zu den konventionellen Inhalationsanästhetika und Lachgas keine Umweltbelastung bzw. Effekt auf die Ozonschicht aufweist, ist Xenon aus ökologischen Aspekten als ideales Anästhetikum zu bewerten. Die Erkenntnis der Auswirkungen von Lachgas als Treibhausgas auf die Atmosphäre und seine zum Teil immundepressiven Wirkungen im menschlichen Körper haben zu einem verstärkten Interesse an der Anwendung von Xenon in der Anästhesie geführt.

Zurzeit wird Xenon im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt, die im Rahmen der Zulassung zum Arzneimittel durchgeführt werden müssen. Das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau ist eines der wenigen Krankenhäuser bundesweit, in denen heute Xenonanästhesien durchgeführt werden können.



© 2005 Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau Krankenhausbetriebs gGmbH
www.waldkrankenhaus.com | verwaltung@waldkrankenhaus.com| webmaster@waldkrankenhaus.com
Design + Programmierung: ÄDVOERG Mediendesign | Letzte Aktualisierung am 04.01.2007
Nach oben